Sehr geehrte Abgeordnete des Bayerischen Landtags,
die Pläne des Schulamtes des Nürnberger Landes an der Rückersdorfer Waldschule eine jahrgangskombinierte erste und zweite Klasse ab dem nächsten Schuljahr einzurichten, stoßen auf heftigen Widerstand der Eltern.
1. Klassenstärken
Der Widerstand richtet sich dabei nicht grundsätzlich gegen die Beschulung in einer jahrgangskombinierten Klasse, sondern gegen die Streichung einer Lehrerstelle. Aus 42 neuen Erstklässlern und 37 zukünftigen Zweitklässlern sollen nicht vier sondern nur drei Klassen gebildet werden. Dadurch würde nach den Plänen des Schulamtes eine erste Klasse mit 27 Schülern, eine jahrgangskombinierte erste und zweite Klasse mit 24 Schülern und eine zweite Klasse mit 28 Schülern entstehen.
Seit dieser Woche wissen wir, dass zusätzlich bis zu vier Kinder der jetzigen zweiten Klasse die Klasse wiederholen werden. Ein Elternpaar hat sich schon dafür entschieden, so dass wir in diesem Fall sogar in allen drei Klassen über der Grenze liegen könnten, die für die Bildung einer weiteren Klasse vorgesehen ist.
Auch ohne dieser erschwerten Situation erscheinen uns Eltern sowie der Gemeinde Rückersdorf diese Zahlen viel zu hoch. Bei sinkenden Schülerzahlen kann es durchaus sinnvoll sein, jahrgangsgemischte Klassen zu bilden, um den Schulstandort zu bewahren. Bei ausreichenden Schülerzahlen allerdings bietet die Bildung von gemischten Klassen kein Einsparpotential – im Gegenteil müssen gerade diese komplexer zu führenden Klassen mit ausreichend Lehrkräften ausgestattet werden.
Wir verweisen dabei auch auf das Schreiben der Gemeinde Rückersdorf vom 14. Juni an das Schulamt, in dem unser Bürgermeister Peter Wiesner auf den Art. 32 Abs, 2 Satz 1 BayEUG hinweist, der besagt: "… dass die Schülerinnen und Schüler grundsätzlich auf Jahrgangsklassen verteilt sind."
Für uns bedeutet dies im Umkehrschluss, dass auf Grundlage der bei uns vorhandenen min. 79 Schülern der ersten und zweiten Klasse auch die im Gesetz vorgesehenen 4 Klassenlehrer zur Verfügung gestellt werden müssen.
Die bei uns in Rückersdorf geplante, sehr große jahrgangsgemischte Klasse mit 24 Schülern, halten sogar erfahrene Lehrkräfte für sehr anspruchsvoll zu unterrichten – für unsere Schule, die das System im kommenden Schuljahr erst einführt, eine zusätzliche Herausforderung. Da gleichzeitig auch die Regelklassen bis zur Obergrenze belegt sind (27 und 28 Kinder plus x, wegen der Wiederholer) entsteht noch zusätzlicher Druck.
2. Vertiefungsstunden zur individuellen Förderung
Bei jahrgangsgemischten Klassen soll für fünf Wochenstunden eine zweite Lehrkraft hinzukommen, so dass Lehrinhalte an die unterschiedlichen Jahrgänge getrennt vermittelt werden können. Auch nach Aussagen von Befürwortern dieser Art der Beschulung sind diese fünf Wochenstunden unbedingt nötig, insbesondere in unserem Fall bei großen Klassen und gleichzeitiger Einführung. In Rückersdorf werden uns seitens des Schulamtes aber nicht einmal diese fünf Wochenstunden garantiert.
3. Ausbildungsmaßnahmen
Sorge bereitet uns auch, dass es für die Lehrkräfte, die diese jahrgangsgemischten Schulklassen unterrichten sollen, keine verpflichtenden Ausbildungsmaßnahmen gibt. Einzig ein freiwilliger Arbeitskreis wird angeboten, der sich vier bis fünf Mal im Jahr trifft und in dem die betroffenen Lehrkräfte ihre Erfahrungen austauschen können.
Nach Aussage vieler Lehrkräfte ist die Führung einer gemischten Klasse deutlich anspruchsvoller als die Führung einer Regelklasse. Insofern sollte es im Sinne der Kinder, aber auch der Lehrer, die mit dieser neuen Situation umgehen müssen, eine systematische Ausbildung, z.B. durch Hospitationen in schon bestehenden jahrgangsgemischten Klassen und verpflichtende Seminare geben.
4. Kommunikation
Um es vom Rückersdorfer Fall ins Allgemeine zu bringen, sind wir der Überzeugung, dass sich bei der Planung von jahrgangsgemischten Klassen das jeweilige Schulamt mindestens ein halbes Jahr vorher mit den Eltern in einen Dialog begeben muss, um zu informieren und zu überzeugen. Von oben herab zu dekretieren, lässt die Einführung einer solchen Beschulung von Anfang an unter einem unglücklichen Stern stehen, zum weiteren Nachteil unserer Kinder.
Bis heute hat das Schulamt Nürnberger Land – trotz mehrerer Schreiben seitens des Elternbeirats, der Gemeinde sowie mehrerer politischer Mandatsträger – keinerlei Kommunikation mit dem Elternbeirat geführt oder zu einem Gespräch aktiv eingeladen. Einzig auf unsere beiden Schreiben erfolgte eine formale Antwort. Wir sind mit anderen Gemeinden im Landkreis in engem Kontakt, denen im Augenblick ähnliches widerfährt.
Aus Sicht von uns Eltern besteht daher zusätzlich die Gefahr, dass wir bei dieser Art der Einführung durch "Dekret" und bei gleichzeitiger Einsparung von Lehrern in Zukunft einen "Run" hin zu Privatschulen in Bayern erleben werden. Das kann nicht im Interesse der Landes Bayern sein.
Unser Anliegen lautet daher:
Am 13.07.2011 berichtete auch die Pegnitz Zeitung über diese Problematik.
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die Pläne des Schulamtes des Nürnberger Landes an der Rückersdorfer Waldschule eine jahrgangskombinierte erste und zweite Klasse ab dem nächsten Schuljahr einzurichten, stoßen auf heftigen Widerstand der Eltern.
1. Klassenstärken
Der Widerstand richtet sich dabei nicht grundsätzlich gegen die Beschulung in einer jahrgangskombinierten Klasse, sondern gegen die Streichung einer Lehrerstelle. Aus 42 neuen Erstklässlern und 37 zukünftigen Zweitklässlern sollen nicht vier sondern nur drei Klassen gebildet werden. Dadurch würde nach den Plänen des Schulamtes eine erste Klasse mit 27 Schülern, eine jahrgangskombinierte erste und zweite Klasse mit 24 Schülern und eine zweite Klasse mit 28 Schülern entstehen.
Seit dieser Woche wissen wir, dass zusätzlich bis zu vier Kinder der jetzigen zweiten Klasse die Klasse wiederholen werden. Ein Elternpaar hat sich schon dafür entschieden, so dass wir in diesem Fall sogar in allen drei Klassen über der Grenze liegen könnten, die für die Bildung einer weiteren Klasse vorgesehen ist.
Auch ohne dieser erschwerten Situation erscheinen uns Eltern sowie der Gemeinde Rückersdorf diese Zahlen viel zu hoch. Bei sinkenden Schülerzahlen kann es durchaus sinnvoll sein, jahrgangsgemischte Klassen zu bilden, um den Schulstandort zu bewahren. Bei ausreichenden Schülerzahlen allerdings bietet die Bildung von gemischten Klassen kein Einsparpotential – im Gegenteil müssen gerade diese komplexer zu führenden Klassen mit ausreichend Lehrkräften ausgestattet werden.
Wir verweisen dabei auch auf das Schreiben der Gemeinde Rückersdorf vom 14. Juni an das Schulamt, in dem unser Bürgermeister Peter Wiesner auf den Art. 32 Abs, 2 Satz 1 BayEUG hinweist, der besagt: "… dass die Schülerinnen und Schüler grundsätzlich auf Jahrgangsklassen verteilt sind."
Für uns bedeutet dies im Umkehrschluss, dass auf Grundlage der bei uns vorhandenen min. 79 Schülern der ersten und zweiten Klasse auch die im Gesetz vorgesehenen 4 Klassenlehrer zur Verfügung gestellt werden müssen.
Die bei uns in Rückersdorf geplante, sehr große jahrgangsgemischte Klasse mit 24 Schülern, halten sogar erfahrene Lehrkräfte für sehr anspruchsvoll zu unterrichten – für unsere Schule, die das System im kommenden Schuljahr erst einführt, eine zusätzliche Herausforderung. Da gleichzeitig auch die Regelklassen bis zur Obergrenze belegt sind (27 und 28 Kinder plus x, wegen der Wiederholer) entsteht noch zusätzlicher Druck.
2. Vertiefungsstunden zur individuellen Förderung
Bei jahrgangsgemischten Klassen soll für fünf Wochenstunden eine zweite Lehrkraft hinzukommen, so dass Lehrinhalte an die unterschiedlichen Jahrgänge getrennt vermittelt werden können. Auch nach Aussagen von Befürwortern dieser Art der Beschulung sind diese fünf Wochenstunden unbedingt nötig, insbesondere in unserem Fall bei großen Klassen und gleichzeitiger Einführung. In Rückersdorf werden uns seitens des Schulamtes aber nicht einmal diese fünf Wochenstunden garantiert.
3. Ausbildungsmaßnahmen
Sorge bereitet uns auch, dass es für die Lehrkräfte, die diese jahrgangsgemischten Schulklassen unterrichten sollen, keine verpflichtenden Ausbildungsmaßnahmen gibt. Einzig ein freiwilliger Arbeitskreis wird angeboten, der sich vier bis fünf Mal im Jahr trifft und in dem die betroffenen Lehrkräfte ihre Erfahrungen austauschen können.
Nach Aussage vieler Lehrkräfte ist die Führung einer gemischten Klasse deutlich anspruchsvoller als die Führung einer Regelklasse. Insofern sollte es im Sinne der Kinder, aber auch der Lehrer, die mit dieser neuen Situation umgehen müssen, eine systematische Ausbildung, z.B. durch Hospitationen in schon bestehenden jahrgangsgemischten Klassen und verpflichtende Seminare geben.
4. Kommunikation
Um es vom Rückersdorfer Fall ins Allgemeine zu bringen, sind wir der Überzeugung, dass sich bei der Planung von jahrgangsgemischten Klassen das jeweilige Schulamt mindestens ein halbes Jahr vorher mit den Eltern in einen Dialog begeben muss, um zu informieren und zu überzeugen. Von oben herab zu dekretieren, lässt die Einführung einer solchen Beschulung von Anfang an unter einem unglücklichen Stern stehen, zum weiteren Nachteil unserer Kinder.
Bis heute hat das Schulamt Nürnberger Land – trotz mehrerer Schreiben seitens des Elternbeirats, der Gemeinde sowie mehrerer politischer Mandatsträger – keinerlei Kommunikation mit dem Elternbeirat geführt oder zu einem Gespräch aktiv eingeladen. Einzig auf unsere beiden Schreiben erfolgte eine formale Antwort. Wir sind mit anderen Gemeinden im Landkreis in engem Kontakt, denen im Augenblick ähnliches widerfährt.
Aus Sicht von uns Eltern besteht daher zusätzlich die Gefahr, dass wir bei dieser Art der Einführung durch "Dekret" und bei gleichzeitiger Einsparung von Lehrern in Zukunft einen "Run" hin zu Privatschulen in Bayern erleben werden. Das kann nicht im Interesse der Landes Bayern sein.
Unser Anliegen lautet daher:
- Auf Grundlage der aktuellen Schülerzahlen werden auch im nächsten Jahr in den ersten beiden Jahrgangsstufen vier Klassen mit vier Lehrern gebildet. Das an sich gute Modell jahrgangskombinierter Klassen darf nicht als Einsparungswerkzeug missbraucht werden.
- Bei Einführung einer jahrgangsgemischten Klasse erwarten wir im Sinne unserer Schüler und Lehrer gleichermaßen eine qualitätssichernde Zusatzausbildung.
- Wir erwarten, dass die in den Richtlinien des Kultusministeriums vorgesehenen fünf Wochenstunden getrennter Beschulung bei einer jahrgangsgemischten Klasse mit mehr als 20 Kindern garantiert sind.
Am 13.07.2011 berichtete auch die Pegnitz Zeitung über diese Problematik.



